Die feuerrote Sonne steigt am 2. Dezember 1805 um halb acht Uhr morgens im bläulichen Dunst nach oben irgendwohin über Austerlitz. Alle verstummen beim Anblick dieses Naturwunders, dieser Purpurscheibe, die über dem Kampfplatz erschien, als sich die Armeen in Bewegung setzten. Eine geläufige Naturerscheinung an diesem Morgen vor der Schlacht ist zu einer Legende, und diesem Morgen zum Augenblick eines Wunders geworden. Die Sonne von Austerlitz wird zu einem Begriff, und bevor die Sonne abends untergeht, wird sie der einen Seite den Sieg und der anderen Seite die Niederlage bringen, tausenden Menschen dann Unglück und Tod. Das ist Napoleons Sonne von Austerlitz, „le soleil d’ Austerlitz“. Die nachfolgenden zehn Jahre wird er sich in ihrer Gunst sonnen. Jedoch zehn Jahre später, am nassem Feld bei Waterloo an einem Junimorgen wird er vergebens diese Sonne herbeisehnen, und in einer tiefen Sentimentalität wird er sich an sie auch in der Verbannung als Gefangener auf der St.-Helena-Insel erinnern.
Die Sonne von Austerlitz
Team Austerlitz 2005 (09.10.2004 16:32)



